AuS der geMeinde Ausgabe 02/2026 Amtliches Mitteilungsblatt Wenzenbach 38 im Juli 1944 erhielt schulleiter Julius haseneder vom schulrat den auftrag, statistische Daten über die bevölkerung Wenzenbachs und der Orte im Wenzenbacher schulsprengel zur erstellung eines Dorfnachwuchsplanes zu erheben. Die ns-regierung ließ solche nachwuchspläne als „bestandsaufnahme der bauern-, arbeiter- und handwerkerfamilien“ erstellen, um „den zu ihrer erhaltung erforderlichen jährlichen nachwuchs“ errechnen zu können. Ziel war es, die Jugend „in den dörflichen arbeits- und lebenskreis einzugliedern“; die führenden Kräfte im Dorf sollten deshalb die bäuerliche berufsbildung künftig als zentrale aufgabe sehen, die Dorflehrer heimatkundliche anregungen für ihren Unterricht daraus ziehen. in Zusammenarbeit mit den lehrern Maria gößwein und Martin rauchenecker machte sich schulleiter haseneder also an die erstellung einer Datengrundlage. es entstanden fein säuberlich gefertigte Übersichten über die anzahl der hiesigen geburten, eheschließungen und sterbefälle in der Zeit von 1876 bis 1944. Zudem schufen sie anhand der standesamtsbücher eine ausführliche liste mit allen heiraten in derselben Zeit. Darin sind die namen der eheleute, ihre geburtsdaten und -orte, berufe, der Wohnsitz und der Tag der hochzeit zu finden. Ob die betreffenden Personen einheimische oder auswärtige waren, wurde gesondert ausgewiesen. Diese Daten wurden schließlich ergänzt durch ein alphabetisch angelegtes namensverzeichnis aller einwohner von Wenzenbach und der zum schulsprengel gehörigen Orte (genannt sind schönberg, Ober- und Unterlindhof, Probstberg, Kufberg, hopfengarten, steinbügl, Fußenberg, birkenhof, hohenroith, Kellerhäusl, birkmühle, lehen, ehrenberg und brunnhöfl; siehe abb. 1 und 2). Darüber hinaus enthält die Übersicht Verweise zu kürzlich erfolgten sterbefällen, Umzügen usw. Vervollständigt wurde die akte durch eine „hausnummernliste“ (abb. 3 und 4): geordnet nach hausnummern sind darin die jeweiligen hausbesitzer, ihre geburtsdaten, berufe, ggf. heiratstage und die größe ihres grundbesitzes zu ersehen. erhalten haben sich diese sowohl familien-, als auch orts- und sozialgeschichtlich interessanten Dokumente, weil schulleiter haseneder (abb. 5) diese als „vorläufige Unterlagen“ am 31. Dezember 1944 an den schulrat übersandte und gleichzeitig darum bat, sie nach dessen begutachtung zur weiteren bearbeitung zurückgeschickt zu bekommen. Ob diese tatsächlich erfolgte oder in den letzten wirren Monaten des 2. Weltkriegs auf der strecke blieb, ist unbekannt. Die Unterlagen blieben jedenfalls vor Ort und gewähren uns heute einen bemerkenswert konkreten blick auf Wenzenbachs bevölkerung im sommer 1944. Fundstücke aus dem Gemeindearchiv Der Dorfnachwuchsplan von 1944 Alphabetische Namensliste der Bevölkerung Wenzenbachs FOTOs: geMeinDearChiV WenZenbaCh Schulleiter Julius Haseneder auf einem Klassenfoto aus dem Jahr 1941. FOTO: PriVaTbesiTZ rUDi DObner.
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