AuS der geMeinde Ausgabe 04/2026 Amtliches Mitteilungsblatt Wenzenbach 23 am 22. april 1951, also vor fast genau 75 Jahren, gab es in irlbach etwas zu feiern: die Pfarrkirche erhielt drei neue Glocken, die vor ihrer anbringung im turm in einem großen Festakt die Weihe erhielten. Bis dahin hatte die Pfarrei fast ein Jahrzehnt lang mit nur einer kleinen Glocke auskommen müssen. Schuld an dieser Situation war das nS-Regime: Um die Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg aufrechterhalten zu können, wurden Rohstoffe benötigt. Bereits 1940 hatte die Regierung deshalb die Bevölkerung zur abgabe von Metall aufgerufen; eine aktion, die als „Metallspende des deutschen Volkes“ anlässlich des Geburtstags hitlers ausgerufen wurde und ähnlich schon im ersten Weltkrieg stattgefunden hatte. trotz der überwältigenden Resonanz – Quellen sprechen von 77000 tonnen, die in Form von Metallgegenständen an den Sammelstellen abgegeben wurden – waren die Rohstoffe schon bald wieder knapp. daher entschloss sich die Regierung 1941 zu einer Maßnahme, die hitler zunächst vermeiden hatte wollen: Man zog die Kirchen- und, wo vorhanden, Rathausglocken ein, um sie einzuschmelzen. dieses Schicksal ereilte auch die Kirchenglocken in irlbach und Wenzenbach: aus Wenzenbach weiß man, dass Pfarrer Josef Brumbach bei der abnahme der drei großen Glocken Widerstand leistete und die mit der ausführung Beauftragten als „henkersknechte“ beschimpfte. er wurde daraufhin verhaftet. Über die Reaktionen des irlbacher Pfarrers Georg Schießl und der Bevölkerung auf die Beschlagnahme und den abtransport der drei Glocken ist hier nichts bekannt. nur die jeweils kleinste Glocke ließ man als läutglocke in den Kirchen. nach Kriegsende bemühten sich die Pfarrer um ersatz für die verlorenen exemplare. Brumbach konnte bereits 1948 drei neue Glocken in Wenzenbach willkommen heißen. in irlbach war es schließlich drei Jahre später soweit. auf Kosten der Pfarrgemeinde unter Pfarrer Schießl und Kirchenpfleger Georg Kirsch wurden vom Glockengießer Karl hamm in Regensburg drei neue Glocken angefertigt. Sie waren 13 ½, 8 und 6 Zentner schwer und demhl. Mauritius, der hl. Maria und demhl. Joseph geweiht. auf einem von Willi Kirsch gefertigten Wagen wurden sie zunächst bei der Kapelle in Gonnersdorf gelagert und, von einem langen Festzug begleitet, nach irlbach gefahren. die Spitze bildeten vier Reiter und irlbacher Schulkinder. eine Blaskapelle und weißgekleidete Schulmädchen begleiteten den Wagen mit den geschmückten Glocken. Fahnenabordnungen der Feuerwehren Grünthal und hauzenstein waren ebenfalls von der Partie. dank einer abgabe aus Privatbesitz durch herrn Fritz Rockinger verfügt das Gemeindearchiv über Bilder der Feierlichkeiten an diesem schönen apriltag im Jahre 1951. Fundstücke aus dem Gemeindearchiv Die Glockenweihe in Irlbach Vor einer großen Zuschauermenge nahm Pfarrer Schießl die Weihe vor. Die Feuerwehren vor dem Wagen mit den Glocken. Weißgekleidete Schulmädchen begleiteten die neuen Glocken. Die Spitze des Festzugs mit Michael Melzl und Josef Riederer zu Pferd, dahinter Schulkinder mit Lehrer Ingrisch.
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