AuS der geMeinde Ausgabe 08/2026 Amtliches Mitteilungsblatt Wenzenbach 19 Wenn in den dörfern der oberpfalz der august zur neige ging, wussten manche Familien: Jetzt geht es wieder in die Hallertau – zumHopfenzupfen. dort brauchte man zur Erntezeit vor allem eines: viele Hände. Und die kamen zu einem großen teil aus der oberpfalz und dem Bayerischen Wald. Jedes Jahr machten sich tausende Saisonarbeiter mit Kind und Kegel auf den Weg. Zeitzeugen erzählen, dass mancherorts die Heimatdörfer dann wie ausgestorben waren. denn die Wochen in der Hallertau bedeuteten zwar harte arbeit, aber auch einen willkommenen Verdienst. Kost und Unterkunft wurden von den Hopfenbauern häufig gestellt. Zur Erntezeit waren die Hopfenpflanzenmehrere Meter hoch und rankten an drähten empor. die reben mussten heruntergeholt und zum Hof gebracht werden. dort saßen die Hopfenzupfer an langen tischen und streiftenmit geübten Händen die grünen dolden ab – eine arbeit, die einfach scheint, aber gewaltig in die Finger und in den rücken ging. Und der Hopfen war überall! Er klebte an den Händen, die Kleidung nahmdenmarkanten Geruch an, und nach einigen Stunden wusste jeder, warum man diese arbeit nicht als gemütlichen Ferienjob bezeichnen konnte. Pro „Metzen“ erhielt ein Pflücker eine Münze („Blecherl“), die sie später in Mark tauschten. der Metzen war ein altes Maß und entsprach etwa 60 litern Hopfen; dafür brauchte ein geübter Pflücker ungefähr eine bis eineinhalb Stunden. Sieben oder acht Metzen am tag waren möglich. Bezahlt wurde nach der Menge – flinke Hände waren also bares Geld wert. Mit am tisch saßen nicht selten die Kinder und halfen mit, zupften dolden, sammelten oder übernahmen andere arbeiten. dass auch aus demWenzenbacher Gebiet Familien samt Kindern zum Hopfenzupfen fuhren, lässt sich besonders gut aus den Schulunterlagen der 1950er Jahre ersehen. 1956 meldete Schulleiter Haseneder, dass sich aus Wenzenbach und Grünthal sieben Schülerinnen und Schüler der landwirtschaftlichen Berufsschule (also im alter zwischen 14 und 16 Jahren) zumHopfenzupfen bei ihm abgemeldet hätten. 1958 verbrachten elf Schulkinder im alter von acht bis dreizehn Jahren aus der Schule Irlbach zwei Wochen beim Hopfenpflücken in der Hallertau. die Sommerferien endeten damals Ende august bzw. anfang September, die Kinder mussten also für die erste Septemberwoche beurlaubt werden. Vereinzelt waren Familien auch bis Mitte September abwesend. diese Beurlaubungen gewährte die Schule problemlos, denn damals gehörte die Mitarbeit der Kinder auf vielen bäuerlichen Familienbetrieben ganz selbstverständlich zum alltag. So etwa gab es früher im oktober auch eine Woche „Kartoffelferien“, damit die Schulkinder auf dem heimischen Hof bei der Kartoffelernte helfen konnten. Im Frühsommer wurden sogar ganze Schulklassen abwechslungsweise in Kolonnen zumabsammeln der Kartoffelkäfer auf den Feldern eingeteilt, um einen ruin der Ernte zu verhindern. Glücklich waren die lehrer über das Fernbleiben ihrer Schützlinge vom Unterricht dennoch nicht. So notierte Schulleiter Iser 1958: „Mit Beginn der Schule fehlten 11 Schulkinder. Sie waren mit Erwachsenen zur Hopfenernte in die Hallertau gefahren. obzwar sie alle gut verdienten – 1 Kind durchschnittlich 120 dM – ist dies vom erzieherischen Standpunkt nur schwer zu vertreten.“ Wenn in der Hallertau schließlich die letzte rebe eingebracht und die letzte dolde gezupft war, wurde gefeiert. Zum traditionellen Hopfenzupfermahl gab es unter anderem nudelsuppe, Schweinebraten mit Knödel oder Kartoffelsalat und ein Bier. die besten Hopfenzupfer bekamen manchmal noch ein kleines Geschenk. Es war der verdiente abschluss nach Wochen schwerer arbeit. Erst die Maschinen veränderten diese Welt grundlegend. die ersten Hopfenpflückmaschinen kamen bereits Ende der 1950er Jahre auf, und bis in die 1960er Jahre verschwand die mühsame Handarbeit nach und nach. Was früher Zehntausende Hände in wochenlanger arbeit erledigten, übernahmen nun Maschinen. Fundstücke aus dem Gemeindearchiv Zum Hopfenzupfen in die Hallertau Eine von drei erhaltenen Bescheinigungen des Hopfenbauers Peter Landfried aus Geisenfeldwinden (heute ein Ortsteil von Geisenfeld) zur Bestätigung, dass Schüler aus Hauzenstein 1959 bei ihm gearbeitet hatten Ausschnitt aus einer Schülerliste der Schule Irlbach, 1953/54. Unter den Schulversäumnissen eines Schülers der 5. Klasse ist ganz selbstverständlich „Hopfenpflücken!“ eingetragen.
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