unsere vereine 40 Januar 2026 mitteilungsblatt Markt nittendorf Auf dem Acker der Solidarität – Die SoLaWi Jura zieht Bilanz und lädt ein Wenn im Winter Schnee und Eis den Acker bedecken, wirkt alles wie im Winterschlaf. Doch wer die SoLaWi Jura kennt, weiß: Unter der weißen Decke ruht nur die Erde – nicht das Projekt. Es wird geplant, geordert, gerechnet. Und obwohl die Natur kaum noch frisches Gemüse hergibt, kommen die Mitglieder alle 14 Tage in den Stadel und holen Rote Bete, Kohlrabi oder die berühmten „aufgeplatzten Karotten“ ab – jene, die im Supermarkt nie jemand zu Gesicht bekäme. „Wir wollen Lebensmittelverschwendung verhindern und ehrlich arbeiten – mit allem, was die Natur eben hergibt.“ So beschreibt Vereinsvorsitzender Philipp Atzler den vielleicht wichtigsten Grundsatz der Solidarischen Landwirtschaft. Zur Ehrlichkeit gehört: Nicht jedes Gemüse sieht aus wie gemalt. Auf dem Gabentisch bei der Ernteabholung liegen manchmal Karotten mit einer Naht wie ein kleines Lachen. Das passiert, wenn es während des Wachstums zu trocken und später zu nass ist. „Im konventionellen Anbau würden solche Karotten auf dem Feld bleiben, untergepflügt, zu Abfall degradiert“, sagt Gärtnerin Laura Boccali. „Bei uns ist das anders. Wir verwenden alles, was die Natur uns gibt. Lebensmittel sind zu wertvoll, um aussortiert zu werden.“ Auch kleiner Kohl, der keinen Kopf gebildet hat, wird verteilt – die Blätter schmecken genauso gut. Ein weiterer Grundsatz lautet: Verzicht auf jegliche Art von Pestiziden und Kunstdünger. Es wird streng biologisch gearbeitet und auf einen achtsamen Umgang mit der Natur geachtet. „Wir wollen mit der Natur pflanzen und ernten und ihr nicht das Gemüse abpressen“, sagt die Gärtnerin. Trotzdem erreicht die SoLaWi ein beeindruckendes Ernteergebnis. Eine Bilanz, die Mut macht Die wichtigste Nachricht lässt viele Mitglieder strahlen: Die SoLaWi hat im vergangenen Gartenjahr mehr Gemüse geerntet, als die Mitglieder dafür bezahlt haben. Anders gesagt: Wer Ernteteiler war, hat sich günstiger versorgt als im Bio-Supermarkt – obwohl die SoLaWi aus Gründen der Vergleichbarkeit noch immer mit den Preisen der Gründungszeit rechnet. „Wir haben eine stabile Kostenbasis – und die Ernte lag über dem Budget. Im übertragenen Sinn kaufen unsere Mitglieder heute billiger ein als vor vier Jahren“, sagt Atzler. Das gelingt, obwohl der Verein inzwischen ein Jahresbudget von rund 50.000 Euro schultern muss. Ein Verein, der zusammensteht – auch wenn es kalt ist Dass die Ernte am Ende so reich ausfällt, hat viel mit den Menschen zu tun, die auf dem Feld stehen – hauptamtlich, wie die angestellten Gärtner, ehrenamtlich wie viele Mitglieder. Die Erntegruppe ist nur ein Beispiel dafür – ehrenamtlich, verlässlich, wetterfest. Oder die Tomatengruppe, die im Sommer so viel Arbeit zu leisten hat: Gießen, ausgeizen, hochbinden. „Gemüseanbau ist Arbeit“, sagt Atzler. „Aber sie SoLaWi Jura Jetzt im Herbst wurde lagergemüse wie zum Beispiel rote Bete geerntet. diese wird eingelagert und über den Winter verteilt, wenn wegen Frost und schnee die natur kein gemüse mehr produziert anzeige anzeige
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